Mit neun WM-Fahrertiteln, einer Junioren-Weltmeisterschaft und 80 Siegen bei WM-Rallyes ist Sébastien Loeb rein nach Zahlen der mit Abstand erfolgreichste Rallyefahrer aller Zeiten. Außerdem gewann er Läufe zur Rallycross- und zur Tourenwagen-WM, erreichte Gesamtrang zwei in Le Mans und absolvierte auch Testfahrten für die Formel 1. AUTOMOBILSPORT sprach mit dem Allrounder im Rahmen eines Events in Südfrankreich. Loebs langjähriger Partner Richard Mille hatte eingeladen, auf dem Beifahrersitz des Rallye-Champions Platz zu nehmen und mit ihm in ruhiger Atmosphäre in der Gegend um Saint Tropez Gespräche über seine Karriere und seine Leidenschaften zu führen.
AUTOMOBILSPORT: Woher, glauben Sie, kommen Ihr Talent und Ihre Leidenschaft für den Motorsport?
Loeb: Der Motorsport war mir nicht in die Wiege gelegt. Als Kind war ich ein ziemlich guter Turner, aber später habe ich mich mehr dafür interessiert, mit meinen Freunden Mofa zu fahren, habe sogar an einigen Rennen teilgenommen. Aber mein eigentliches Ziel war, den Führerschein zu machen und Auto zu fahren. Mit 18 Jahren war es so weit, und mit der Hilfe meiner Großmutter konnte ich mir mein erstes Auto kaufen, einen Renault 5 GT Turbo. Ich habe mich nicht besonders für Autos interessiert, aber für das Fahren. Ich wollte eigentlich nie Rennen fahren oder dergleichen, aber das Fahren auf der Straße hat mir großen Spaß gemacht. Ich konnte eine Stunde damit verbringen, auf einem Feld im Kreis herumzufahren, immer und immer wieder dieselben zwei Kurven, weil ich diese Kurven perfekt nehmen wollte. Einfach nur als Herausforderung für mich selbst. Ich war erst zufrieden, wenn ich das Gefühl hatte, dass es perfekt war.
Dann habe ich mitbekommen, dass es ein Programm namens „Rallye Jeunes“ gab, das vom französischen Verband und einem Hersteller, damals Peugeot, organisiert wurde. Es durfte jeder teilnehmen, der unter 25 Jahre alt war. Man musste einen kleinen Betrag bezahlen, heute wären das so etwa 15 Euro, und konnte dann an einem regionalen Auswahlwettbewerb teilnehmen. Die Gewinner der regionalen Ausscheidungen kamen ins nationale Finale, und der Gewinner dieses Finales durfte eine Rallye-Saison bestreiten. Ich wollte mich eigentlich nur mit den anderen Jungs messen, aber dann gewann ich den regionalen Wettbewerb, kam ins Finale und fuhr dort die schnellste Zeit. Die Journalisten vor Ort waren überzeugt, dass ich gewonnen hatte und dass ich die Rallye-Saison bekommen würde, aber es gab Preisrichter, die über den Sieg entschieden, es ging nicht nur um die schnellste Zeit. Und die Preisrichter sprachen einem anderen Fahrer den Sieg zu.
Im nächsten Jahr wiederholte sich die Geschichte. Ich nahm wieder am regionalen Wettbewerb teil, gewann, kam ins Finale und war dort unangefochten an der Spitze, aber am Ende machte ich einen Fehler, also bekam ich den Preis wieder nicht. Aber danach kam jemand zu mir rüber und sagte: „Wenn du zwei Jahre hintereinander der Schnellste von 15 000 Teilnehmern bist, hast du ein ganz besonderes Talent, deshalb werde ich dich unterstützen.“ Er stellte mir ein Auto zur Verfügung und ich fuhr meine ersten Rallyes. Das war Dominique Heintz, mit dem ich später Sébastien Loeb Racing gegründet habe, unser eigenes Team. Wir sind immer noch eng befreundet. Ohne ihn wäre ich heute nicht hier.
Er hat mich in den ersten drei Saisons betreut. In der dritten Saison habe ich den Saxo Kit Car Cup gewonnen, eine Kategorie, in der alle mit den gleichen Autos an den Start gingen. So wurde Citroën auf mich aufmerksam. Sie stellten mir ein Auto für die französische Schotter-Meisterschaft zur Verfügung, die ich gewann, dann nahm ich mit Citroën an der Junioren-Weltmeisterschaft teil, die ich gewann, dann an der französischen Meisterschaft, die ich gewann. Dann bekam ich ein Auto für den WM-Lauf in Italien und wurde bei meiner ersten offiziellen Rallye-WM-Teilnahme Zweiter. Ab da konnte ich zu jedem Team gehen. So hat alles angefangen.
AUTOMOBILSPORT: Sie sind gegen einige echte Weltklasse-Piloten gefahren, darunter Colin McRae, Carlos Sainz ... Wer ist aus Ihrer Sicht der beste Fahrer, mit dem sie es je zu tun hatten?
Loeb: …
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von Robert Weber und René de Boer
Fotos: McKlein, Richard Mille/Mathieu Bonnevie