Nach fast drei Jahren ist die vollständige Restaurierung des ehemals von Anatoly Arutunoff pilotierten Lancia Stratos HF Gruppe 4, wegen seiner leuchtend gelben Karosserie mit zahlreichen Rundungen liebevoll „The Duck“ genannt, endlich abgeschlossen. Jetzt, wo der Shakedown erledigt ist, den wir vor der Auslieferung vornehmen, wird es leider Zeit,„arrivederci“ zu sagen …
Im Gegensatz zu den meisten anderen Stratos-Rennwagen wurde dieses Exemplar nicht auf den Sonderprüfungen der Rallye-Weltmeisterschaft, sondern auf den berühmtesten Rundstrecken der USA eingesetzt. Das Auto, ursprünglich ein Straßenwagen im Gelbton „Giallo Fly“ mit Interieur in Blau (daher auch der Spitzname „The Duck“, „Die Ente“), wurde neu von dem in Oklahoma ansässigen Unternehmer und Ferrari-Händler Anatoly „Toly“ Arutunoff erworben. Anatoly war der jüngste Sohn des russischen Ölmagnaten Armais Arutunoff, der in den 1920er Jahren, nach dem Sieg der Bolschewisten im russischen Bürgerkrieg, aus seiner Heimat in die USA emigrierte und dort mit der Erfindung der weltweit ersten Tauchölpumpe sein Vermögen machte. „Toly“, dem Vernehmen nach ein extravaganter und überaus charmanter Charakter, begann 1959 mit dem Rennsport und konnte im Lauf der nächsten drei Jahrzehnte sowohl in den USA als auch in Europa einige Erfolge verbuchen.
An einem kühlen Novembermorgen im Jahr 1976 besuchte Arutunoff das Lancia-Werk in Turin, um seinen neuen Stratos HF, für den er die damals stattliche Summe von 13 542 US-Dollar bezahlt hatte, persönlich in Besitz zu nehmen. Über Nacht fuhr er das mit dem vorläufigen Exportkennzeichen „EE 74313“ versehene Auto nach Cherbourg in Nordfrankreich, wo es auf die RMS Queen Elizabeth 2 verladen und nach New York verschifft wurde.
Die Story wird noch besser. Arutunoff holte seinen Lancia am Hafen ab und fuhr über 2200 Kilometer weit durch Schnee und Eis nach Tulsa im Bundesstaat Oklahoma. Während der Atlantiküberquerung und auf der langen Autofahrt hatte „Toly” bereits einen Plan entwickelt, welche besonderen Modifikationen er an seiner Neuerwerbung vornehmen würde, um das Potenzial des Autos in puncto Fahrkomfort und, noch wichtiger, Speed auf der Rennstrecke voll auszureizen. Fast unglaublich, aber es existieren heute noch Arutunoffs handschriftliche Notizen dazu, die er sich auf dem Briefpapier der Queen Elizabeth machte …
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von Max Girardo
Fotos: Gabriele Natalini für Girardo & Co.