Im Rahmen eines vom brasilianischen Veranstalter Dener Motorsports organisierten Rennsportwochenendes auf der ehemaligen Formel-1-Rennstrecke Estoril in Portugal fand am letzten August-Wochenende 2025 eine Hommage-Veranstaltung für den dreifachen Formel-1-Weltmeister Nelson Piquet statt. Zu diesem Anlass brachte die BMW Group Classic zwei legendäre Rennfahrzeuge von Piquet zum Einsatz: einen Brabham-BT52-BMW, mit dem der Brasilianer 1983 der erste Turbo-Weltmeister der Formel 1 wurde, und einen BMW M1 aus der Procar-Serie, in der er bereits 1980 den Titel gewonnen hatte. Im Interview mit AUTOMOBILSPORT zeigte sich Piquet herzlich und offen und erzählte, was ihn damals motivierte und wie er die Zeit mit Brabham und BMW, in der Formel 1 und im BMW M1, erlebte.
Zum Einstieg in das Gespräch zeigten wir Piquet ein altes Foto, auf dem er und BMW-Motorenmann Paul Rosche mit einem „Wolpertinger“ zu sehen sind, den die Münchener ihm geschenkt hatten. Eine ziemlich angsteinflößende ausgestopfte Mischung aus mehreren Tieren, mit einem bösen Gebiss, Greifsklauen, Flügeln und Geweih – das Ganze garniert mit ein paar krummen Ventilen, damit es auch einen motorsportlichen Bezug hatte.
Piquet: Ach ja, Rosche. Mein guter Freund.
AUTOMOBILSPORT: Und das Tier, das Sie in Ihren Händen halten. Erinnern Sie sich an die Geschichte dahinter?
Piquet: Nur vage. Helfen Sie mir auf die Sprünge.
AUTOMOBILSPORT: Das BMW-Team hat Ihnen den Wolpertinger als eine Art Geschenk gegeben. Das muss so circa 1985 gewesen sein. Wie man sich erzählt, haben Sie ihn in Ihr Auto gelegt, und als ein Park Ranger in Kyalami das Auto zurück zum Hotel fahren sollte, stieg er ein, sah den Wolpertinger und rannte fluchtartig davon ...
Piquet: (lacht) Ein guter Mann, Paul Rosche. Er war wirklich ein Genie.
AUTOMOBILSPORT: Woran erinnern Sie sich menschlich gesehen bei ihm?
Piquet: Ich hatte ein tolles Verhältnis zu ihm. Irgendwann hat er sich zu einem Inder entwickelt. Er hatte abgenommen, vorher war er ziemlich dick. Dann nahm er in einem Jahr etwa 30 Kilo ab, und ich habe ihm gesagt: „Das ist großartig, aber jetzt musst du dir neue Hosen kaufen!“ Denn er trug immer noch dieselben Hosen, die er auch mit 30 Kilo mehr anhatte. (lacht) Er war ein fantastischer Kerl, wir hatten viel Spaß miteinander.
Man muss sich mal vorstellen, wir haben dieses Projekt zwei Jahre später als Ferrari und Renault begonnen. Die hatten schon zwei Jahre vor uns einen Turbomotor. Wir haben das Auto 1982 entwickelt und 1983 die Meisterschaft gewonnen. Das war unglaublich. Und wir haben nur deshalb nicht noch mehr gewonnen, weil man vor lauter Angst die Regeln geändert hat. [Das Nachtanken wurde 1984 verboten und die maximale Treibstoffmenge auf 220 Liter pro Rennen begrenzt.] Sonst hätten wir noch drei, vier Jahre lang ein Siegerauto gehabt. So gut war dieses Auto. Die Schwachstelle des Autos unter den neuen Regeln war dann das Getriebe, nicht der Motor.
AUTOMOBILSPORT: Was hat Sie so zuversichtlich gemacht, als Sie den Turbomotor zum ersten Mal getestet haben? …
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von Robert Weber
Fotos: BMW/Hardy Mutschler, BMW Archiv, Sammlung Uwe Mahla, Cahier, McKlein