1955
Der wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegsjahre machte das Automobil vom exklusiven Luxusobjekt zum für breite Bevölkerungsschichten erschwinglichen Symbol von Freiheit und Wohlstand. Der Motorsport erlebte eine Hochphase, und in ganz Westeuropa wurden Rennen ausgetragen. Die 1947 wieder ins Leben gerufene Mille Miglia entwickelte sich rasch zu einem international beachteten Großereignis . In Italien fanden die meisten Rennen weiterhin auf öffentlichen Straßen oder Bergstrecken statt, da permanente Rennstrecken noch eine Seltenheit waren.
1955 ließ der Automobilclub von Florenz das Rennen auf dem Circuito del Mugello wieder aufleben – diesmal auf einer verkürzten, 19 Kilometer langen Streckenvariante, auf der 15 Runden zu absolvieren waren. Erstmals verzeichnete die Veranstaltung mehr als 100 Teilnehmer. Unter ihnen befanden sich auch zwei Fahrerinnen: Anna Maria Peduzzi auf einem Stanguellini 750 sowie Maria Teresa de Filippis am Steuer eines Maserati 2000. De Filippis sollte später als erste Frau in der Formel 1 an den Start gehen.
Die Veranstaltung erstreckte sich über zwei Wochenenden – eines für Automobile, eines für Motorräder. Im Autorennen lieferten sich Umberto Maglioli auf einem Ferrari 3000 und Giulio Cabianca in einem kleineren, wendigeren OSCA 1500 einen packenden Zweikampf. Beide erzielten Durchschnittsgeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h und stellten damit einen neuen Rekord für Mugello auf. Für einen Schreckmoment sorgte Maria Teresa de Filippis, als sich während der Fahrt eine Tür ihres Wagens öffnete. Beim Versuch, sie wieder zu schließen, verlor sie die Kontrolle über das Auto und kam von der Strecke ab. Nur knapp entging sie dabei dem Absturz in eine Schlucht.
Das 15-Runden-Format kam beim Publikum gut an, denn die Zuschauer bekamen die Fahrzeuge deutlich häufiger zu sehen als bei der Mille Miglia oder den klassischen Bergrennen. Trotz dieses Erfolgs verstummten die Motoren in Mugello jedoch anschließend wieder für neun Jahre. Das einzige bedeutende Rennen der Region blieb die Mille Miglia, die einmal jährlich über einige der gleichen Straßen führte …
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von Ugo Vicenzi
Fotos: Arsenio Riseri, Foto Locchi, Renato Parassoni, Actualfoto, Andrea Pini, Alfa Romeo, Porsche, Torrini, Eris Tondelli, Archive Facetti